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MARY LANG - SPECIFICALLY EQUINE
TRAINING CENTER
Reine Familiensache
Eine Frau, 20 Trainingspferde,
eine kleine Familie und das Management
des Trainingsstalls – wie das geht? Mit
Professionalität, starkem Willen und
Leidenschaft – für die Familie genauso wie fürs
Arabische Pferd.
Mary Lang sitzt im Reiterstüble ihres
Trainingsstalls im österreichischen Lauterach. In
der rechten Hand hält sie ihr iPhone und koordiniert
Termine, mit der linken füttert sie Baby Junia. Im
nächsten Moment schaut sie prüfend durch die großen
Glasscheiben hinunter in die Reithalle, wo ihre
Mitarbeiterinnen gerade zwei Araberhengste reiten.
Die letzten beiden Jahre haben viel verändert im
Leben der 33-jährigen Österreicherin. Erst zog sie
mit ihrem Trainingsstall von Süddeutschland nach
Österreich um, dann vergrößerte sie ihre junge
Familie. Im Juni 2010 wurde sie Mutter einer
Tochter. „Junia hat mein Leben total umgekrempelt“,
erklärt Mary. Das bedeutet aber nicht, dass ihre
Tochter sie von ihrer Arbeit abhält.
Seit 17 Jahren trainiert Mary Lang hauptberuflich
Pferde. Ihr neuer Hof liegt in Lauterach in der Nähe
vom Bodensee, nur zehn Minuten von der deutschen
Grenze entfernt im Dreiländereck
Deutschland-Österreich- Schweiz. Ein idealer
Standort, um auch die Schauen in Italien und
Frankreich schnell zu erreichen. Der neue Stall hat
20 geräumige Boxen mit Paddocks, eine große Halle
mit weitläufiger Tribüne und vor allem viel
Weideland, auf dem die Pferde Auslauf genießen. „Das
Trainingcenter hat die perfekte Größe”, erzählt
Mary. „Weniger Pferde ist mehr, denn dann kann ich
zu jedem Tier eine individuelle Beziehung
herstellen.“ Sie arbeitet mit allen Trainingspferden
selbst, legt Wert auf den intensiven Kontakt mit
ihnen, um ihre Stärken und Schwächen kennenzulernen.
Das gilt für das Reiten ebenso wir für die Schau.
„Nur so kann ich sie optimal präsentieren.“ In den
Sommermonaten, wenn Hochsaison herrscht, kooperiert
Mary mit dem ganz in der Nähe gelegenen Gestüt
Karolinenhof. Dort gibt es beste Voraussetzungen für
die Aufzucht junger Pferde, unter der fachmännischen
Leitung von Kerstin Löffler, auch für die
Hengsthaltung und Zucht. Das Konzept scheint
aufzugehen. Der Junghengst Marjan Albidayer (Marajj
x Pustynna Droga) – vom Specifically-Team liebevoll
Roger genannt – wurde an der Hand von Mary Lang
Deutscher Nationaler champion 2009 und holte sich
2010 weitere Siege. Seine Stallgefährtin Scarlett OS
(WH Justice x Shak Lavanda) gewann das Nationale
Juniorenchampionat 2010. Weitere erfolgreiche
Trainingspferde sind Bourhani Psylesia (Lesmo x
Psynesica) und ihr Halbbruder Bourhani Octavius (v.
QR Marc) aus der Zucht von Hannelore Bourdeaux. Ihr
Erfolg und das individuelle Training, welches die
Pferde in Mary Langs Stall erfahren, basieren auf
langjähriger Erfahrung. Und nur so scheint es
möglich, zugleich ihre Tochter zu umsorgen. „Sicher
ist es als Selbstständige in einem Job, in dem man
quasi 24 Stunden am Tag einsatzbereit sein muss,
anstrengender, ein Kind großzuziehen, als in einem
Nine-to-Five-Job“, sagt Mary. „Ich bin
Herausforderungen gewohnt. Als Frau muss man in
diesem Geschäft sowieso das Dreifache tun, um etwas
zu erreichen. Und letztendlich: Wenn man etwas will,
geht es auch!“
Ihre Schwangerschaftspause fiel entsprechend aus.
Energiegeladen wie sie ist, stand die Trainerin noch
drei Tage vor der Geburt im Stall und longierte
Pferde. Zehn Tage nach der Geburt stand sie wieder
im Stall und präsentierte 20 Pferde für ein großes
Fotoshooting. „Damit hatte sich jegliche
Schwangerschaftsrückbildungsgymnastik erübrigt“,
meint Mary mit einem Augenzwinkern. „Mein Beruf ist
meine Leidenschaft. Nur wenn man es gern tut, macht
man es auch gut.“ Lediglich bei zwei Schauen kurz
vor Junias Geburt im Sommer 2010 legte sie die
Verantwortung für ihre Vierbeiner in die Hände von
langjährigen Mitarbeitern und den italienischen
Trainern Luca Oberti und Christian Francescina.
Große
Siege...
Diese Leidenschaft für die Tiere entwickelte Mary
bereits in der frühen Kindheit. „Eine zuvor schlecht
behandelte Haflingerstute wurde zu meiner
Lehrmeisterin. Damals traf ich meine Berufswahl: Von
Pferden lernen und ihnen umgekehrt alles beibringen,
was man nur kann.“ Noch während ihrer Ausbildung zur
Pferdewirtschaftsfacharbeiterin und Reitlehrerin
absolvierte Mary Lang verschiedenste Praktika rund
um den Globus und lernte dabei Arabische Pferde
kennen. „Ich wusste sofort, dass diese Pferde für
mich gemacht sind – oder ich für sie.“ Es sei die
erste Berührung mit ihnen gewesen, sagt sie. Eine
Berührung, ein Blick, schon war es passiert.
Natürlich mag sie auch andere Rassen, doch die Liebe
und die Leidenschaft, die gehören den Arabischen
Pferden. Marys Karriere begann kurz darauf auf dem
Gestüt Sax. Dort traf sie Scott Allman und beide
gründeten 1997 das Trainingcenter Specifically
Equine, das zu einem der erfolgreichsten in
Deutschland werden sollte. Zahlreiche Champions und
bekannte Vererber wurden vom Duo Allman/Lang
trainiert und präsentiert. Dazu gehörten neben der
traumhaften Gelgelah Albadeia die Weltchampions
Gazal Al Shaqab, Dakharo, Espano Estopa oder Escape
Ibn Navarrone. Ihre vielleicht schönsten Erfolge
hatte Mary mit in Deutschland geborenen Pferden. SC
Dagash (v. Davidoff) wurde an ihrer Hand
Europachampion. Eine ganz besondere Beziehung
verbindet sie noch immer mit dem schneeweißen BS
Specific (v. Sandstorm JC), mit dem sie mehr als
einmal Championatstitel gewann, doch noch viel öfter
durch Süddeutschlands Wälder galoppierte.
Der Pferde
wegen um die ganze Welt...
Es ist schwierig zu sagen, welche Pferde mir in
meinem Trainerleben am meisten bedeutet haben.
Definitiv geprägt hat mich die Arbeit mit Om El
Abadan. Ein so charismatischer Hengst, der mir mehr
über Pferde und Training beigebracht hat als es
Menschen jemals könnten.“ Ein anderer bedeutsamer
Hengst ist für sie Marajj. „Nicht nur weil ich mit
ihm gearbeitet habe, als er in Deutschland
angekommen war, und er für mich einer der schönsten
Hengste überhaupt ist, sondern weil ich fest von
seiner züchterischen Qualität überzeugt bin.“ Mary
hat Pferde in Australien, den USA, Bahrain,
Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und
vielen anderen Ländern präsentiert. Eine enge
Beziehung hatte sie dabei immer zu Ägypten und dem
Gestüt Albadeia von Dr. Nasr Marei. Neben dem Gewinn
von zahlreichen nationalen Championaten in Kairo
erinnert sie sich dabei besonders gern an den Sieg
beim Juniorenchampionat mit Itlalah Albadeia (v.
Simeon Sharav) beim Egyptian Event in 2005 in
Baden-Baden zurück. Itlalah lebt heute bei Mary in
Lauterach und ist für 2011 tragend von WH Justice.
Was wird 2011 bringen? Der Stall ist voll mit Reit-
und Schaupferden. Das Reisebettchen und der
Kinderwagen stehen parat. Auch diese Saison wird
Mary mit Junia und Papa Sascha – der ein
hingebungsvoller Turnierbabysitter für seine kleine
Tochter ist – die Schauen in Deutschland, Europa und
dem Mittleren Osten stürmen. „Junia gehört fest zur
Specifically-Familie“, erklärt Mary. Schließlich
lernt sie schon reiten – und das nicht nur auf ihrem
Lieblingsstoffpferd ...
text by Katharina Burkardt
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